Mitglieder-Ausflug nach Stade

Ein Bericht in 2 Teilen

Mitglieder-Ausflug nach Stade 

Bericht Teil 1: Historische Stadtführung 

Unsere nette Stadtführerin, schlüpfte während der Stadtführung in die Rolle der Luise Meyer. Luise Meyer war die Ehefrau des Färbers Ruprecht-Daniel Meyer, die im 18. Jahrhundert in Stade gelebt haben. Sie trug bei der Stadtführung ein weißes Tuch über den Kopf, welches Kennzeichen ist, dass sie „unter der Haube ist“. Dieses war damals Kennzeichen, dass die Frau verheiratet war. Bei dieser Stadtführung wurde uns die Herkunft vieler heute noch genutzter Sprichwörter erklärt. Zusätzlich hat uns Luise Meyer den aufwändigen Prozess des blau färben „blau machen“ erklärt. 

Der Start der Stadtführung war am alten Hafen in Stade vorbei über „Stock und Stein“ vorbei am Baumhaus, wobei wir eine „Kurve gekratzt“ haben. Zusätzlich hat uns Luise Meyer gezeigt, wo in Stade die „steinreichen“ Menschen und wo das normale Volk und die Handwerker usw. gelebt haben. Auch hat uns Luise Meyer erklärt wie die Kunden bei Handwerkern, die zu dieser Zeit noch nicht Lesen und Schreiben konnten Ihre Schulden angeschrieben wurden. Sie hat uns auch erzählt wie die Schweden zu Ihrer Zeit die Stadt Stade besetzt haben und wo die Schweden in Stade untergebracht wurden. 

Zum Schluss sind wir in die Bäckerstraße gegangen, wo die ehemalige Blaufärberei von Daniel-Ruprecht Meyer war. Hier hat uns Luise Meyer erklärt, wie hoch der Zeit- und Arbeitsaufwand (48 Stunden) und mit welchen Zutaten die Stoffe „blau gemacht“ wurden (Färberwaid-Pflanze, Wasser, Urin, Salz und Sauerstoff). Kurz gesagt die Zutaten wurden in einem großen Gefäß gegeben und der Stoff wurde dort reingelegt und mit einem Stab geschlagen, damit genug Sauerstoff reinkam, dieser war, wie auch das Färberwaid und Urin unverzichtbar für das Färben der Stoffen gewesen. Nachdem die Stoffe die richtige Farbe angenommen haben wurden diese hoch am Haus aufgehängt, damit diese nicht gestohlen wurden.

Ich kann diese Stadtführung meinerseits nur wärmstens empfehlen, da es sehr interessant war die Herkunft und ursprüngliche Bedeutung heute noch genutzter Sprichwörter liegt. Die 90 Minuten vergingen für mich wie im Fluge.

Von Tanja Dieckmann

Bericht Teil 2: Eindrücke einer Teilnehmerin

Die zweite Gruppe unternahm eine klassische Stadtführung mit einer sehr netten und aufmerksamen Stadtführerin. Nachdem alle mit mobiler Ringschleife und Mikrofon bestens versorgt waren, starteten wir mit einem Ausblick auf die Schwinge, einen Nebenfluss der Elbe. Vom Spätmittelalter bis in die 1950er-Jahre wurde die Schwinge von Ewern, den sogenannten Plattschiffen, die bei Ebbe nicht trockenfallen, für den Gütertransport befahren. Inzwischen ist sie stark verlandet und wird nur noch von Freizeitschiffern genutzt.

Stade gehörte über rund 150 Jahre zu den bedeutendsten Handelsstädten Norddeutschlands, war zeitweise sogar größer als Hamburg und lag zudem an der bedeutenden Salzstraße. Wunderschön ist der Alte Hafen mit seinen historischen Fachwerk- und Kaufmannshäusern sowie den zahlreichen Cafés. Die Kaufmannshäuser, allen voran das Bürgermeister-Hintze-Haus, waren funktional gegliedert: Im Erdgeschoss befand sich das Geschäft, im ersten Obergeschoss das Büro, von dem aus die Händler das Geschehen auf den Straßen beobachten konnten, und im zweiten Obergeschoss lagen die Wohnräume der Familien.

Auch das religiöse Leben spielte für Stade eine wichtige Rolle. So ist die berühmte Pilgerroute Via Romea dem Abt Albert von Stade zu verdanken. Er unternahm von 1235 bis 1237 als damaliger Abt des Stader Benediktinerklosters – des heutigen Klosters St. Marien – eine Reise nach Rom zum Papst, um eine Klosterreform durchzusetzen. Die Hauptkirche der Stadt, St. Cosmae et Damiani, deren Turm sich ungewöhnlicherweise in der Mitte des Kirchengebäudes befindet, beherbergt die berühmte Orgel von Arp Schnitger. Einige Teilnehmer konnten später kurz ihren beeindruckenden Klängen lauschen.

Nach der Führung trafen wir uns alle wieder und stärkten uns im Ratskeller bei einem Mittagessen. Zuvor gab Elmar Haake noch eine interessante Empfehlung, die selbst mir als Hamburgerin unbekannt war: Mit dem Moorexpress lässt es sich von Stade aus wunderbar entspannt durch das Teufelsmoor nach Worpswede mit seinem Künstlerviertel oder sogar bis nach Bremen fahren.

Es war ein gelungener Ausflug mit alten und neuen Bekanntschaften. Mein Dank gilt Andreas Baldt für die hervorragende Organisation.

Bericht von Frauke Braeschke