Kurzbericht Schriftdolmetscherin Sandra Kanschat

Moin zusammen, mein Name ist Sandra Kanschat und ich bin Schriftdolmetscherin.

Bestimmt fragen sich nun einige, „was ist denn eine Schriftdolmetscherin?“ Eine Schriftdolmetscherin schreibt für Menschen mit Hörschädigung alles mit, was irgendwo gesprochen wird, z. B. auf Veranstaltungen, bei Arztgesprächen, bei Mitgliederversammlungen, Betriebsversammlung, Selbsthilfegruppen… Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zu denen Schriftdolmetschende einen hörgeschädigten Menschen begleiten können.

Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen, wie ich zu diesem Beruf gekommen bin?

Das war eher ein Zufall. Ich war in meinem ursprünglichen Job als Bürokauffrau irgendwie nicht zufrieden, wollte mehr mit Menschen arbeiten. Also überlegte ich mir, Gebärdensprache zu lernen. Leider war das in meiner damaligen Heimatstadt nicht möglich. Und dann entdeckte ich eine Anzeige für die Weiterbildung zum Schriftdolmetscher. Ich dachte, das Schriftdolmetschen ist dem Gebärdensprachdolmetschen sehr ähnlich, warum nicht das?Also fing ich 2005 an, Schriftdolmetschen zu lernen. Zwei Jahre lang habe ich diese Ausbildung in Vollzeit gemacht. Seit 2007 bin ich nun in diesem tollte Beruf tätig und seit 2008 bin ich nun schon selbstständig und führe mein eigenes kleines Unternehmen. Die lautsprachunterstützende Gebärdensprache habe ich nebenbei aber trotzdem gelernt, um die Kommunikation mit meinen Kunden zu erleichtern.

Wie funktioniert das Schriftdolmetschen?

Es gibt drei unterschiedliche Systeme, die unterschiedlich funktionieren. Ich arbeite mit der Computerstenografie. Hierbei schreibe ich auf einer speziellen Stenografie-Tastatur in Stenografie Sprache wortwörtlich und simultan alles mit, was gesprochen wird. Eine spezielle Software wandelt die Eingaben in lesbare Langschrift und macht die Sprache fast in Echtzeit auf einem Monitor oder einer Leinwand sichtbar.

Während meiner inzwischen 13-jährigen Berufslaufbahn als Schriftdolmetscherin bin ich für meine Aufträge bundesweit und im deutschsprachigen Ausland zu allen möglichen Themen unterwegs, um Menschen mit Hörschädigung in der Kommunikation zu unterstützen. Ich kann sagen, das ist mein Traumberuf.

Oft werde ich gefragt, ob nicht die Spracherkennung z B. in den Smartphones einen Schriftdolmetscher ersetzen könne. Das ist (noch) nicht so. Eine automatische Spracherkennung ist noch nicht in der Lage, mehrere Sprecher ausreichend gut voneinander zu unterscheiden und ist dadurch fehleranfällig. Aber als „Notlösung“ für kleinere Gespräche ist sie durchaus gut nutzbar. Aber ersetzen wird sie einen Schriftdolmetscher nicht können. Der BdS war einer deiner ersten Kunden und inzwischen ist es ganz selbstverständlich für uns, dich bei Bedarf als erste anzufordern. Hast du noch andere Arbeitsgebiete?

Finanzierung von Schriftdolmetschenden

Leider ist die Bezahlung von Bundesland zu Bundesland verschieden und hängt auch davon ab, wer der Kostenträger für die Kostenübernahme ist. Da fehlt es an einereinheitlicheren Regelung.

Schriftdolmetschen in Corona-Zeiten

Corona ist eine Herausforderung für jeden. Nachdem mir im Frühjahr erstmal alle Präsenzaufträge eingebrochen sind, waren neue Strategien erforderlich. Nun arbeite ich neben Präsenzaufträgen auch online. Die Digitalisierung schreitet voran, darauf muss ich mich einstellen. Auch wenn es mir manchmal schwerfällt, weil ich von Technik einfach keine Ahnung habe J. Aber mittlerweile bin ich gut auf verschiedene Programme eingestellt und auch eine sichere Übertragung von sensiblen Daten ist kein Problem mehr.

Meine Wünsche für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass das ganze Thema Inklusion mehr in die Köpfe der Menschen kommt. Inklusion bedeutet für mich, es wird an die Bedürfnisse aller Menschen gedacht, egal, ob sie ein Handicap haben oder nicht. Das bedeutet auch, dass z. B. auch wir Schriftdolmetschenden inkludiert werden. Häufig passiert es, dass wir als Schriftdolmetschende in der hinteren Ecke platziert werden. Ich bin in meiner Arbeit aber ebenso auf das Mundbild des Sprechers angewiesen, wie ein hörgeschädigter Mensch. Das Mundbild erleichtert mir mein Verstehen und damit meine Arbeit.

Und natürlich wünsche ich mir, dass ich noch eine ganze Weile diesen Job bei bester Gesundheit machen kann.

Selbsthilfegruppenleiterseminar

Von Dr. Anne Bolte

Mit dem SHG Leiter-Seminar vom 10. bis 12.11.2017 hat sich der Vorstand des CIV Nord e.V. um Matthias Schulz etwas Neues überlegt: Ein mehrtägiges Seminar sollte ausreichend Gelegenheit geben, sich außerhalb eines fixen Tagungsprogrammes auszutauschen. Dazu haben sich die Teilnehmer auf einen teils recht weiten Weg nach Schleswig-Holstein gemacht.
Leider war der Wettergott uns nicht so wohl gesonnen, es war ungemütliches Herbstwetter- gut um drinnen zu arbeiten! Andreas Prien, Pascal Thomann und Michaela Korte haben in der Organisation ganze Arbeit geleistet.
Das Seminar fand in Schleswig statt, und zwar im Landesförderzentrum Hören und Kommunikation.

Der erste Abend begann gleich mit einem geselligen Beisammensein. Die eher rustikale Unterbringung im Internat und das gemeinsame Essen in der Schulküche (Dank an die Küchenfeen Prien und Gurk!) taten der guten Laune keinen Abbruch, sondern sorgten eher für einen guten Gruppenzusammenhalt.
Die Veranstaltung war bestens organisiert, niemand musste sich Gedanken um An- oder Abreise machen, die Kommunikation klappte barrierefrei mittels Ringschleife und Schriftdolmetschern.
Die Diplom-Psychologin Marie Kolonko hielt einen kurzen Vortrag zum Thema Supervision und veranschaulichte die Inhalte abschließend in Gruppenarbeit. Das „WIE“ einer Selbsthilfegruppe war zentrales Thema. Rege wurden Tipps und Tricks in der Führung einer Gruppe ausgetauscht.

In einem anderen Programmpunkt ging es um das Miteinander von SHG und CIV Nord e.V.
Hierbei war besonders spannend, dass neue SHG Leiter mit „alten Hasen“ diskutieren konnten. Viele neue Ideen und Anregungen für die Arbeit des großen norddeutschen Verbands CIV Nord e.V. kamen auf.

Gelacht wurde bei vielen verschiedenen Gelegenheiten, das Gesellige kam nicht zu kurz, auch wenn nach dem offiziellen Programm viel weiter über die Selbsthilfegruppenarbeit gesprochen und diskutiert wurde.

Und dass wieder einmal eine gelungene Veranstaltung vorbei ist, merkte man beim Abschiednehmen: Es dauerte wieder einmal recht lange, bis sich jeder von jedem verabschiedet hatte und nach diversen Adress- und Nummernaustausch endlich alle die Heimreise antraten. Einig war man sich: es braucht eine Wiederholung eines solchen Wochenendes!

Das Selbsthilfegruppenleiterseminar wurde durch die IKK classic Hamburg gefördert.

Musikerleben – Sterbende Krähen im Meeresrauschen in Cuxhaven

Mit den Füßen hören!

Von Dr. Anne Bolte

Bei einem eintägigen Seminar, das durch die Selbsthilfegruppe „Open Ohr“ in Cuxhaven veranstaltet wurde, ging es um Musikerleben. Das Besondere: alle Teilnehmer waren hörgeschädigt.Zehn Teilnehmer aus Cuxhaven und Bremen hatten sich zusammengefunden, um zu probieren, wieviel Freude Musik auch mit Hörgeräten oder Cochlea Implantaten machen kann. Die Idee war, den Hörgeschädigten einen Zugang zu Musik aufzuzeigen, denn einige Teilnehmer haben eher unangenehme Erinnerungen an den Blockflötenunterricht in Kindertagen.

Die Musiktherapeutin Kerstin Sievers erläuterte die Hintergründe und Anwendungsmöglichkeiten einer Musiktherapie. Für manche Teilnehmer war neu, dass Musiktherapie beim Umgang mit autistischen Kindern ebenso hilfreich sein kann wie in der Hospizarbeit. Auch in der Schmerztherapie kann Musiktherapie helfen. Tinnitus war ein wichtiges Thema: Es wurden Wege aufgezeigt und versucht, mit Musik und Instrumenten ein Ohrgeräusch positiv zu beeinflussen.
Erstaunt nahmen die Teilnehmer zur Kenntnis, dass auch normal hörende Menschen gesungene Liedtexte häufig nicht verstehen. Taktile Reize wie das Vibrieren der Saiteninstrumente oder von Klangschalen nehmen Menschen mit eingeschränktem Gehör dagegen meist besonders gut auf.

Das Seminar hatte aber nicht nur theoretische Inhalte. Fremdartige Musikinstrumente wurden ausprobiert, eine `Ocean drum` und ein `Guiro` beschrieb eine schwerhörige Teilnehmerin als „sterbende Krähe im Meeresrauschen“. So kam der Spaß bei all den Trainings- und Lerneffekten nicht zu kurz. Geräusche wurden ganz neu entdeckt: den Klang eines zerrissenen Papiertaschentuchs am Ohr identifizierte eine Teilnehmerin zunächst als „Drehen einer Pfeffermühle“.
Manch einer ist mit einem „aha“-Erlebnis nach Haus gefahren und wird weiter mit Klängen und Musik experimentieren. Die Gruppe wünscht sich eine Wiederholung oder sogar eine Fortführung eines solchen Seminars.
Interesse an der Selbsthilfegruppe?

Weitere Informationen per Email bei anne.bolte@gmx.de oder bei der KIBIS, Frau Tscharntke Telefon (04721) 57 93 32.

HannoVerHört: Young Generation im Winterzoo Hannover

Nach dem großen Erfolg unseres ersten Young Generation Meetings konnten wir es kaum erwarten, beim zweiten Treffen am 02.12.2017 viele bekannte Gesichter wiederzusehen und neue Menschen in unserer Gruppe zu begrüßen. Den Treffpunkt auf dem Winterzoo Hannover hatten wir bei unserem Treffen im September gemeinsam ausgesucht, und obwohl wir die Anreise kurzfristig neu organisieren mussten, da das Straßenbahnnetz aufgrund von Demonstrationen gesperrt war, kamen schließlich alle gut an. Und wie erwartet war der Moment, in dem alle wieder vereint waren, ein unbeschreiblich schönes Gefühl!

Bei diesem zweiten Treffen zählten wir voller Freude 20 junge, lustige Menschen – also doppelt so viele wie beim ersten Treffen im September! Sogar aus Bremen, Hamburg, Göttingen und Münster waren Leute nach Hannover angereist. Der heiße Glühwein wurde genüsslich getrunken und die Essbuden mit vielen verschiedenen Leckereien geplündert. Einige von uns trauten sich auf die große Eisbahn und hatten jede Menge Spaß.

Kleine Kommunikationsherausforderungen zwischen Gebärdenden und Nichtgebärdenden wurden mit vollem Körpereinsatz brillant gemeistert, die Gruppe harmonierte sehr gut.  Wir fühlten uns alle wohl, ließen es uns gut ergehen und konnten viele neue Kontakte knüpfen. Wir sind sicher, dass nun auch private Treffen untereinander stattfinden werden.

Die Stimmung war nach Ende des Weihnachtsmarkts einfach zu gut, um bereits um 20 Uhr getrennte Wege zu gehen. Spontan reservierten wir als Orga-Team einen Tisch im Extrablatt, um dort gemeinsam einzukehren, unsere durchgefrorenen Körper aufzuwärmen und noch bis Mitternacht gemütliche Stunden zu verbringen. Auch hier wurde viel gequatscht, gelacht und wir konnten einfach alle Sorgen unserer Woche vergessen. Schon jetzt ist die Vorfreude auf unsere nächste Begegnung groß!

Manche von euch haben es vielleicht schon mitbekommen, oder sich über den Titel des Berichts gewundert – JA – die Gruppe hat nun einen offiziellen Namen bekommen! Ein kleines Wortspiel, das unser stetig wachsendes Netzwerk, unser Leitbild und unsere Ideen in einem Begriff zusammenfasst – wir nennen uns ab jetzt HannoVerHört!

Hast Du ebenfalls Interesse, vorbeizuschauen und mitzumachen? Dann melde Dich einfach bei uns!

Wir sind über Facebook, E-Mail und WhatsApp erreichbar.

 

Lina Hisleiter
Email: hannoverhoert-doa@web.de

Lea Remiorz Handynr.: 0176 30109623

Charis Lieberum

HannoVerHört: 3. Treffen beim Schwarzlicht-Minigolf

Für den 10.02.2018, unser erstes Treffen im neuen Jahr, nun unter unserem offiziellen Namen HannoVerHört, hatten wir uns wieder eine spannende Aktion überlegt: Schwarzlicht-Minigolf! Die Vorfreude war groß, besonders, da insgesamt 25 Leute aus ganz Deutschland angereist waren.

Als wir uns schließlich alle am Eingang eingefunden hatten, gab es viele bekannte Gesichter wiederzusehen und neue Menschen kennenzulernen. Nach einer Begrüßung und Anfangsbesprechung teilten wir uns in vier Teams auf und konnten anschließend in drei Räumen – einer Unterwasserwelt, einem tropischen Urwald und im Weltraum – unser Können beim Minigolf unter Beweis stellen, unser Kommunikationsgeschick erproben und einfach nur Spaß haben.

Von den vorherigen Treffen wussten wir schon, dass der gemeinsame Abend nach dem Minigolf noch lange nicht vorbei sein würde! Deshalb hatten wir schon im Voraus ein paar Tische im Extrablatt reserviert, um uns dort zu stärken und noch bis in die Nacht zu quatschen, zu lachen und zu entspannen.

Unser nächstes Treffen ist bereits in Planung – weitere Informationen dazu folgen in Kürze. Wir freuen uns schon, neue Leute zu begrüßen und alte Gesichter wiederzusehen.

Hast Du ebenfalls Interesse, vorbeizuschauen und mitzumachen? Dann melde Dich einfach bei uns! 

Wir sind über Facebook, E-Mail und WhatsApp erreichbar.

Email: hannoverhoert-doa@web.de

Lina Hisleiter
Lea Remiorz
Charis Lieberum
Christian Ahlborn, Whatsapp: 0176 30109623

Frühlingsfest 2018 in Hannover – HannoVerHört

Bei herrlichem Wetter verbrachten wir in unserer Freizeitgruppe HannoVerHört den 14.04.2018 auf Niedersachsens größtem Frühlingsfest in Hannover, um uns so richtig auszutoben! Das leckere Essen, die super Stimmung und die aufregenden Achterbahnen, Schießstände, Riesenräder, Autoscooter und vieles mehr ließen die Zeit wie im Flug vergehen. Ein ganz besonderes Highlight war, dass wir völlig zufällig auf eine andere Gruppe von Gleichgesinnten trafen, mit denen wir spontan vereinbart haben, uns am Abend im Irish Pub zusammen zu setzen.

Kurz darauf trafen wir einen Jungen, der mit seinem Papa und seinem großen Bruder unterwegs war und selber zwei Cochlear Implantate trägt – er war überglücklich, im wahrsten Sinne des Wortes mit seiner Hörbehinderung nicht alleine zu sein.

Anschließend verbrachten wir noch ein paar schöne Stunden im  Irish Pub Wild Geese, wo wir um 00:00 auf ein Geburtstagskind unter uns anstießen!

Hast du auch Interesse? Dann zögere nicht und schreib uns doch mal eine Nachricht, wir freuen uns über jede Mitteilung! Wir sind auch über Whatsapp – und bald in Facebook – erreichbar!

Email:   hannoverhoert-doa@web.de
Lina Hisleiter
Lea Remiorz
Charis Lieberum
Christian Ahlborn, Whatsapp: 0176 30109623

Michaela Korte, die Leiterin der Selbsthilfegruppe für Patienten mit Cochlea Implantat in Kappeln berichtet

Ein Cochlea-Implantat (CI) überträgt Audiosignale an das Gehirn und kann so stark hörgeschädigten und tauben Menschen beim Hören helfen. Aber es ist mehr als ein elektronisches Gerät: Es gibt den Betroffenen die Möglichkeit, wieder mitten im Leben zu stehen. Das CI bringt viele Vorteile mit sich, doch aller Anfang ist schwer und der Umgang mit dem Implantat muss oftmals erst erlernt werden.

Wie hat das Cochlea-Implantat das Leben der Betroffenen verändert?

Das kommt immer auf die Ausgangssituation des Betroffenen an. Es gibt Menschen, die von Geburt an schwerhörig sind und Menschen, bei denen sich das Hörvermögen erst im Laufe des Lebens verschlechtert. Je nachdem erfordert das Cochlea Implantat mehr oder weniger persönlichen Einsatz. Das Hören damit muss trainiert werden. Denn mit dem CI werden die Eindrücke künstlich erzeugt, weswegen Betroffene nie so hören werden wie mit dem natürlichen Gehör. In den meisten Fällen ist das CI aber eine große Bereicherung. Es ermöglicht den Menschen, an der ganz alltäglichen Kommunikation teilzunehmen. So können sie ein normales Arbeits- und Familienleben führen.

Wie viel Zeit brauchen Patienten in der Regel, um sich an das Implantat zu gewöhnen? 

Auch das ist wieder patientenindividuell und hängt von der Vorgeschichte ab. Wenn jemand erst spät ertaubt ist, hat er im Kindesalter ganz normal Sprechen gelernt. Da kann von einem – in Anführungsstrichen – zügigen Erfolg ausgegangen werden. Doch selbst dann muss der Betroffene mit einer Eingewöhnungszeit von im besten Fall sechs Monaten bis drei Jahren oder sogar noch länger rechnen. Frühertaubte, die nie die Sprache richtig erlenen konnten, weil sie etwa ab dem Babyalter schon schlecht gehört haben, lernen oft ihr Leben lang. Leider sind auch der Technik Grenzen gesetzt. Es wird immer Einschränkungen für Menschen mit CI geben, aber sehr viel kann erreicht werden, indem konsequent trainiert wird und immer eine Bereitschaft zu Lernen vorhanden ist.

In den meisten Fällen ist das CI eine große Bereicherung. Es ermöglicht den Menschen, an der ganz alltäglichen Kommunikation teilzunehmen.

Welche Angebote für Teilnehmer bieten Sie neben den Gruppentreffen an?

Wir machen viel Hörtraining gemeinsam wie die so genannte „Kommunikation im Störschall“, die wir einmal im Jahr machen. Dazu begeben wir uns in die geräuschvolle Außenwelt mit all ihren Tönen wie Straßenlärm und Gesprächen von Passanten. Unter diesen beschwerten Bedingungen trainieren wir das Hören und den Umgang mit der Technik. Das ist Echtzeittraining im normalen Leben: Sobald wir vor die Haustür treten, haben wir den ersten „Störschall“. Wir machen zusammen Besuche in die Stadt, absichtlich dorthin, wo es laut ist. Die Betroffenen sind auf sich gestellt und müssen sich voll auf Ihre Ohren verlassen. Ein Beispiel für unser Training ist ein Restaurantbesuch oder die Teilnahme an einer Führung. Alle versuchen, von dem Vorgetragenem so viel mitzubekommen wie möglich. In einer Nachbereitung tauschen wir uns darüber aus, welche Techniken geholfen haben, das Gesagte besser zu verstehen.

Das wichtigste ist, verständnisvoll zu sein. Angehörige müssen wissen, dass eine Hörschädigung oftmals auch eine extreme psychische Belastung bedeutet.

Was können Angehörige tun, um den Betroffenen im Alltag zu unterstützen?

Die Angehörigen können lernen, wie die Kommunikation mit der hörgeschädigten Person am besten erfolgt und auf dessen Bedürfnisse einzugehen. Auch können Sie dem Betroffenen helfen, indem sie Hörtraining mit ihm machen. Das wichtigste ist aber, verständnisvoll zu sein. Angehörige müssen wissen, dass eine Hörschädigung oftmals auch eine extreme psychische Belastung bedeutet. Oft ist es schwer für damit umzugehen, vor allem wenn jemand gesund war und plötzlich durch einen Unfall oder Krankheit hörgeschädigt ist. Die neue belastende Situation kann oftmals auch zu Konflikten führen. Der Austausch mit anderen Angehörigen hilft hierbei. Deshalb sind sie herzlich zu unseren Treffen eingeladen. Die CI-Selbsthilfegruppe Kappeln trifft sich jeden zweiten Dienstag in den Monaten Januar, März, Mai, Juli, September und November im Begegnungszentrum Kappeln.

Kontakt

Michaela Korte
CI-Selbsthilfegruppe Kappeln
Ellenberger Str. 27
24376 Kappeln
Tel. 04644/671
E-Mail: ci-kappeln-beratung@gmx.de

Etwas Besseres als ein Cochlear Implantat gibt es nicht!

Im Herbst des Jahres 1997 ereilten mich mehrere Hörstürze, die fast jedes Mal mit einem Krankenhaus-Aufenthalt verbunden waren. Es wurden immer mehrstündige medikamentöse Infusionen verabreicht, die letzten Endes kaum etwas zur Hörverbesserung beigetragen haben. 

In unserem Bund der Schwerhörigen Hamburg waren damals 2 Mitglieder, die sich hatten operieren lassen, bzw. diese OP noch vor sich hatten. Bei der Unterhaltung mit den beiden Damen konnte ich bei der einen später feststellen, welch eklatanter Unterschied mit  dem „neuen“ Hören bei ihr zu bemerken war. Sie konnte sich flüssig mit anderen unterhalten, was vor der CI-OP nicht gut funktionierte. Man merkte kaum, dass sie ein „künstliches“ Ohr hatte. 

Beide Damen hatten mir geraten, mich in meiner Situation an das UKE zu wenden und mich untersuchen zu lassen, ob bei mir auch ein CI möglich ist. 

Dies geschah im Februar 1998 und im April des gleichen Jahres wurde ich am rechten Ohr implantiert. Zunächst hatte man das linke Ohr operieren wollen, stellte dann aber fest, dass es dort ein „Akusticus neurinom“ gab, der erst hätte entfernt werden müssen, was eine damals schwierige OP in Hannover gewesen wäre. Glücklicherweise gab es auf dem rechten Ohr keine Probleme das CI dort zu platzieren.

Anschließend habe ich eine Reha dort im Hamburger UKE gemacht, so dass ich nicht irgendwo anders hinfahren musste. Die Hörübungen waren so erfolgreich, dass ich sie bereits nach einem Vierteljahr beenden konnte, normalerweise war damals ein halbes Jahr geplant. 

Mittlerweile habe ich bereits den 3. Sprachprozessor, aktuell den CP 910 und bin nach wie vor happy, wieder telefonieren und mich mit meiner Umgebung relativ gut verständigen zu können. Im Theater nutze ich, sofern vorhanden, ausleihbare Geräte für die Induktionsschleifen. In der Oper brauche ich keine extra Hörhilfen. Hier genieße ich die Musik. In der Hamburger Staatsoper gibt es sogenannte Übertitel, sodass man den Inhalt des Gesungenen mitverfolgen kann. 

Im Nachhinein kann ich nur sagen:  

Etwas Besseres als ein Cochlear Implantat gibt es nicht! 

Christel Zingelmann

Thema: Erfolg in der CI-Versorgung – machen wir alles richtig?

Persönlicher Bericht einer Teilnehmerin

Vorweg- es waren wunderschöne randvolle Tage im sommerlich warmen Hamburg ! Alles hat gestimmt…der Tagungsort, die Katholische Akademie Hamburg, hat gepunktet mit sehr guter Erreichbarkeit, schöner Lage unweit des Hafens und einem klimatisierten und für uns Hörgeschädigte komplett barrierefrei ausgestatteten Hörsaal. Viele gut gelaunte Helfer des CIV Nord und der großen “Familie” der DCIG aus ganz Deutschland  haben uns gastfreundlich empfangen und begleitet und mit Speis und Trank versorgt (ich erinnere besonders an den “Schneckenwein” -lecker !) und nicht zuletzt das Vortragsprogramm: So gut und abwechslungsreich geplant und vorbereitet, dass kaum Müdigkeit aufkam. Immerhin insgesamt ca. 30 Referenten, darunter Ehrenamtler mit und ohne CI, Studenten, Audiologen, ein Audiotherapeut, Ärzte, Forschende, Hersteller, Kostenträger und im Management Tätige, warteten darauf, uns fundiert und aus vielen verschiedenen Perspektiven das vorzustellen, was aus ihrer Sicht den Erfolg ausmacht und ihn sicherstellt. Immer wieder launig moderierte TED-Umfrageblocks sorgten zwischendurch für Spannung und Abwechslung, denn nun musste man den für sich richtigen Knopf auf dem kleinen Display des Abstimmgerätes drücken und war damit Teil einer aktuellen Umfrage zur Zufriedenheit der Anwesenden. Auch kurze eingespielte Videosequenzen von Interviews mit unbeteiligten Passanten bzw. CI-Trägern belebten den Tagungsablauf: Mal musste man lachen, aber es gab auch nachdenkliche und kritische Statements. Neben der Fülle an Vorträgen kam auch das für mich mindestens Zweitwichtigste einer solchen Tagung nicht zu kurz: Das Wiedersehen und Austauschen mit lieben Freunden, Bekannten und Wegbegleitern. Dazu gab es viele Gelegenheiten in den Pausen und vor allem an beiden Abenden, an denen uns ein ganz besonderes Programm geboten wurde. Die DCIG hat keine Kosten und Mühen gescheut, einem musikinteressierten Teil von uns den Besuch eines Klavierkonzertes in der Elbphilharmonie zu ermöglichen. Das war für alle ein sehr schönes und interessantes Erlebnis. Musik über die T-Spule zu hören war sicher eine besondere Erfahrung. DIe Übrigen wurden mit guter Hörtechnik ausgestattet und begleitet von einem sympatischen Hamburger Schnellsprecher im Bus durch die Stadt kutschiert. Das war am Ende eines langen Tages eine konzentrationsmäßige Herausforderung. Aber nicht nur über die kuriose Sierichstraße, die Einbahnstraße, die im Tagesverlauf die Richtung wechselt, wissen wir nun alles. Das war aber noch nicht genug an Extraprogramm, am Abend der Begegnung am Samstag wurden wir kulinarisch besonders verwöhnt und hatten dabei einen wunderbaren Blick vom obersten Stock der Akademie über das südwestliche Hamburg. Später füllten die “Beefees” das Foyer mit lauten und leiseren Klängen, und es wurde sogar getanzt. Aber da war ich als Pendler aus dem Hamburger Umland schon längst auf dem Heimweg.  Als “Laie”, CI-Trägerin und in der Selbsthilfe Aktive habe ich bei der Fülle an Informationen bei den Vorträgen (natürlich ) nicht alles verstanden, geschweige denn im Kopf behalten. Aber einiges nehme ich trotzdem mit, manches hat mich beeindruckt, erstaunt und nachhaltig beschäftigt. Hier ein kleines Resumee: Es gibt viele Möglichkeiten, den Erfolg zu messen – vor, während und nach einer Implantation werden eine Vielzahl an Daten erhoben. Nicht nur audiologische Messungen sind dabei wichtig, es müssen auch Fragen zur Lebensqualität und Zufriedenheit, zur gesundheitlichen Gesamtsituation, zu den Erwartungen, Problemen und Möglichkeiten jedes einzelnen Betroffenen gestellt werden. Der Erfolg hängt von vielen Faktoren ab…nicht zuletzt davon, dass möglichst rasch nach einer Ertaubung implantiert wird. Sehr wünschenswert dabei ist, dass der Patient von Anfang an in seinem CI-Zentrum Kommunikation auf Augenhöhe erfährt, er sich als gleichwertiger Partner respektiert weiß. Er sollte abgeholt werden, wo er gerade steht und alle Informationen erhalten, die er braucht. Und natürlich ist es nicht unwichtig, dass er nach allen Regeln der Kunst in einer erfahrenen Klinik mit dem besten und sichersten an Medizintechnik implantiert wird, die bereit gestellt werden kann. Genauso unverzichtbar für den Erfolg ist eine optimale Nachversorgung und Betreuung nach einem möglichst für alle geltenden Konzept. Dabei scheint es für die Zukunft wichtig zu sein, dass Abläufe optimiert und standarisiert werden sollte, was möglich ist. Aber auch, dass genügend Kapazitäten für das Individuelle bleiben, Die Vision einer virtuellen Hörklinik mit der Möglichkeit, sich über das Smartphone selbst zu diagnostizieren, dabei einem Empfehlungssystem zu folgen und Software und Optimierung der eigenen Hörhilfe zu bekommen, schwebte im Raum…auch wenn Helmut Schmidt ,wie im Vortrag erwähnt, einwenden könnte:”Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen”. Telemedizin, ein deutsches CI-Register, die Ausarbeitung einer Qualitätsrichtlinie aller Ersatzkassen und die Zertifizierung von Einrichtungen sind längst keine Vision mehr, sondern schon dabei, Realität zu werden. Zuletzt: Wir als Patienten sind nicht unwesentlich ebenfalls gefragt, wenn wir zufrieden sein wollen mit dem Erfolg unserer Implantation. Haben wir Selbstvertrauen, Interesse aktiv mitzuarbeiten, auch Selbstkenntnis unserer Voraussetzungen und unserer Möglichkeiten und realistische Erwartungen, haben dazu noch ein gutes Umfeld wie eine verständnisvolle Familie, Freunde und eine tolle Selbsthilfegruppe ( :-)) , steht dem Erfolg fast nichts mehr im Weg . 

Christine Oldenburg, CI-SHG Rotenburg

Die Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg hatte am 16. Juni 2018 anlässlich des 13. bundesweiten CI-Tages zum 5. Oldenburger Hör-Café eingeladen.

Der große Hörsaal der Jade-Hochschule Oldenburg war fast schon überfüllt mit den über 100 CI-Trägern und Interessenten. Trotz wunderbaren Sommerwetters nahmen sie sich Zeit, über das Cochlea Implantat dazuzulernen. So gab es ein Referat zum Thema MRT. „Deutschland ist Weltmeister bei den MRTs“, sagte Dr. Stumper, leitender Oberarzt der HNO Universitätsklinik Oldenburg: „auf 1000 Einwohner kommen etwa 97 MRTs pro Jahr“. Was dabei für CI-Träger zu beachten ist, erläuterte er zusammen mit dem Radiologen Dr. Bösenberg. 

Die Rehabilitationspädagogin Mareike Grundmann stellte Ergebnisse einer Umfrage im Rahmen ihrer Dissertation vor. Sie bestätigte, was langjährige CI-Träger schon am eigenen Leib gespürt haben: das Cochlea Implantat verbessert eindeutig die Lebensqualität. 

Das sollte auch bei älteren Menschen so sein, wie Prof Dr. Radeloff, Chefarzt der Universitätsklinik für HNO-Heilkunde, in seinem Vortrag zum „Hören im Alter“ ausführte: gutes Hören hat eine immens wichtige Bedeutung.

Dank hervorragend gelöster akustischer Situation (Ringschleife!) konnten wohl alle Zuhörer den Vorträgen recht gut folgen. Ergänzend gab es kurze Produktupdates der Cochlea Implantat Firmen. 

Natürlich gab es wieder Kaffee und Kuchen, bei dem angeregt geplaudert wurde und die CI-Hersteller konnten ausstellen und individuelle Fragen klären und choose the best. Das Personal aus Klinik und Nachsorge beteiligte sich engagiert in seiner Freizeit ebenfalls am Erfahrungsaustausch und stand den Patienten für Gespräche zur Verfügung. Manch ein Patient ist angefüllt mit interessanten Eindrücken aber auch wieder mit Vorfreude aufs „nächste Mal“ nach Hause gefahren.